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Sommer-Milonga in Vichel mit musikalisch-literarischem Nachmittag

Am 07.September feierten wir die 14.Schloß-Milonga in Vichel. Diesmal hatten wir ein besonderes Bonbon vor der Milonga dabei, einen musikalisch-literarischen Nachmitttag.

Die Autorin Lea Martin aus Berlin las aus ihren Tango-Kolumnen, die seit 2015 im Online-Magazin www.tango-argentino-online.com erscheinen. Kurzweilige Einblicke in die Tango-Welt, mitunter sehr treffend, manchmal auch komisch, jeder erkennt sich wieder. Eigentlich formuliert sie nur, was andere immer mal denken. Mittlerweile sind die Kolumnen auch in Buchform gesammelt erschienen: „Tango Dreams“. Eine wunderbare Lektüre zum Runterkommen nach der nächsten Milonga.

Im Wechsel dazu gab das Duo NoLa musikalischen Tango zum Besten. Die Sängerin Angelika Laitenberger nahm uns mit ihrer Stimme in Bann, die sie von anfangs traurig bis später mehr heiter einzusetzen wußte. Begleitet wurde sie vom Pianisten Uwe Nowag, der aus dem guten alten Schloß-Piano genauso Schmalz wie Schmackes herausholte. Von Klassikern bis Piazzolla war für jeden etwas dabei, es fiel aber schwer, sitzenzubleiben und nicht das Tanzbein zu schwingen.

Das Ganze fand statt in der Atmosphäre des Vicheler Schlosses, alles wirkte wie aufeinander abgestimmt, als wenn es schon immer so war und immer so weitergehen sollte.

Jedenfalls für uns eines der ganz großen Highlights der Vichel-Milongas. Alle, die diesen Nachmittag verpaßt haben, dürfen einen Moment traurig sein. Und hoffen, daß die gemeinsame Idee von Veranstaltern wie Akteuren, diesen Nachmittag irgendwann noch einmal so zu gestalten, bald umgesetzt wird.

Lea Martin hat uns freundlicherweise eine ihrer Kolumnen zur Verfügung gestellt. Natürlich die, in der wir und Ihr vorkommen.

Tango in Brandenburg
Berlin ist groß. Und Brandenburg größer. Sogar die Sonne, rot und leuchtend hinter den Windrädern, kommt mir irgendwie größer vor. Ich fahre und fahre und fahre. Die 50, 60, 70 Kilometer ziehen sich durch endlose Felder, kleine Dörfer mit skurrilen Namen. Kaum vorstellbar, dass hier irgendwo Tango sein soll. Da heißt es die Nerven behalten und dem Navi vertrauen. 
Wenn dann der richtige Ortsname auftaucht, das erste Licht zu sehen ist, Tangotöne erklingen, können die Berliner/innen erleben, welche weite Kreise Tango zieht, bis in die Provinz. Nicht nur in Potsdam, wo eine quirlige Tangogemeinde für zuverlässig lohnenswerte Veranstaltungen sorgt, sondern auch in vielen anderen kleinen Ortschaften rings um Berlin verwandeln sich Landhäuser, ehemalige Schafställe und Schlösser zu malerischen Ausflugszielen für Tangobegeisterte. Ich parke neben einem Wohnmobil und atme tief durch. Die Ruhe dieses Ortes, die Weite des Himmels wird von der sehnsuchtsvollen Tango-Melodie bedeutungsvoll unterlegt. Auf der Terrasse sitzen Gäste unter sternenklarem Himmel bei leisem Plausch. Neuankömmlinge werden freundlich begrüßt. Die Atmosphäre ist familiärer als auf Milongas in Berlin. „Kommen Sie herein, hier sind Sie richtig.“ Im Café Monet in Ribbeck vereint das Ehepaar Claudia und Thomas Jung leckeres Essen und Malkurse mit Tango-Wochenenden. An einer langen Tafel feiern tangobegeisterter Berliner/innen einen Geburtstag. Überall freundliche Malereien. Für 15 Euro kann man einen Druck als Souvenir mitnehmen.

Mit Provinztango sorgen Sabine und Torsten Mailand rund um Neuruppin für Tangozauber in Brandenburg. Unter ihrer Regie öffnet nicht nur das romantische Schloss Vichel seine Pforten für Tango. Sondern auch Neustrelitz. Lindau, Neuruppin und Oranienburg werden vom Tangofieber ergriffen. Mit besonderer Leidenschaft bringt Şeyin Arpetin von Tango Oceano seinen Traum von Tango Argentino nach Hennigsdorf, Nauen, Schwante, Falkensee. Als mobiler Tango-Service bietet er in Familienzentren und Bürgerhäusern Kurse für alle an, denen Berlin zu weit weg ist. Für Berliner/innen, die gewohnt sind, Tango direkt vor der Haustür zu haben, mag zunächst wenig einladend sein 50, 60 oder gar 80 Kilometer für eine Milonga zurückzulegen, doch die herzliche Atmosphäre und die weiten Tanzflächen lassen – neben leckeren Mitbring-Buffets – die lange Anreise vergessen. Wer glaubt, in Berlin bereits alles gesehen zu haben, darf gespannt darauf sein, dass in Brandenburg ein reizvoller Tango-Geheimtipp nach dem anderen entsteht.

Tango in Brandenburg, aus „Tango Dreams“. Alle Rechte bei Lea Martin, Berlin 2018.

Ein Kommentar

  • Lea Martin

    Liebe Sabine, lieber Torsten,

    auch für mich war es ein wunderbarer Nachmittag, den ihr organisiert habt, und ich freue mich sehr über euer schönes Feedback. Die Atmosphäre, die ihr mit Provinztango schafft, ist nicht nur wegen des romantischen Ambientes von Schloss Vichel besonders, sondern auch, weil ihr so viel Wärme verströmt, dass man sich einfach nur willkommen und wohl fühlt. Ich kann sicher auch für das Tango-Duo Nola sprechen, wenn ich sage, dass wir uns darauf freuen, irgendwann wieder mal bei euch zu sein.

    Herzliche Grüße

    Lea Martin

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